Workshop als Experimentierfeld

Oktober 2020 – Das Mütterforum hat das Thema Armut im Schwerpunktjahr gegen Kinderarmut in zwei Veranstaltungen aufgegriffen: Zum einen beim Online-Dialoggespräch „Gemeinsam für ein gutes Aufwachsen von Kindern" im Juli. Zum anderen fand Mitte Oktober der Workshop „Ein gedeckter Tisch" beim 3. Netzwerktreffen in Rheinfelden statt. Die Veranstaltungen wurden unterstützt vom Ministerium für Soziales und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württem­berg.

Für den Workshop in Rheinfelden hatten Uta Weyrich – Coach und Künstlerin aus Stuttgart – und Andrea Laux einen Workshop als Experimentierfeld konzipiert. Die Teilnehmerinnen sollten mit einfachen Mitteln und phantasievollen Methoden selbst erleben können, in wie vielen unterschiedlichen Formaten und Aktivitäten sich das Beschäftigen mit dem Thema Armut ausdrücken kann.

Worte wirken
Andrea Laux erzählte zum Einstieg, wie das Mütterforum in den vergangenen Jahren die Themen Armut, Teilhabe und Armutsprävention bearbeitet hat. Besonders nachdrücklich war die Ausstellung und Veranstaltung im Mütter- und Nachbarschaftszentrum Reutlingen im Jahr 2017. Aus dieser stammten auch die Plakate und Fahnen im Raum sowie das am Boden ausgelegte, 4,50 Meter lange Band mit Worten und Sätzen armutsbetroffener Menschen aus dem Projekt in Reutlingen. „Worte wirken", betonte Andrea Laux, „wir lernen voneinander, und alle tragen ihre Gedanken bei."

Was jedes einzelne Zentrum tun kann, um mehr Teilhabe armutsbetroffener Menschen zu ermöglichen, findet sich in den zehn Denkanstöße, die das Mütterforum im Sommer veröffentlicht hat und die jedes anwesende Zentrum als zusammengerolltes Plakat überreicht bekam, ebenso wie kleine Flyer und Postkarten vom "Gedeckten Tisch". Anschließend lernten die Teilnehmerinnen die Stuttgarter Initiative „Obendrauf" kennen. Das Ziel von „Obendrauf" ist es Menschen, denen es finanziell nicht gut geht, dennoch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Es geht darum, Geben und Nehmen zum Selbstverständnis zu machen.

Das „Erdnuss-Experiment"
Der Leitsatz „Teilen ist das wahre Haben" von „Obendrauf" wurde mit einem von Obendrauf entwickelten Spiel – dem Priviliegienexperiment – emotional erfahrbar gemacht: Alle Teilnehmerinnen sollten sich selbst einschätzen, wie privilegiert sie sich fühlen. Im anschließenden Privilegientest gab es anhand von Fragen für jedes tatsächliche Privileg eine Erdnuss. Nach der Reflexion über das eigene Ergebnis und die eigenen Erwartungen konnten die Teilnehmerinnen Erdnüsse in ein gemeinsames Glas spenden für andere, die weniger Privilegien hatten.

Übertragen auf die Mütterzentren und den Alltag stellt sich oft die Frage, wie wir es schaffen, dass andere Menschen die Nüsse nehmen und dennoch vielleicht inkognito bleiben können. Also wie können wir mit hilfsbedürftigen Menschen würdig umgehen? „Es ist nicht einfach, Hilfe anzunehmen", betonte Andrea Laux.

Ein Türöffner kann dabei helfen. Als solchen Türöffner für den weiteren Workshop packte sie eine kleine Spielzeug-Kakerlake aus der Tasche und ließ diese auf dem Boden laufen. Die Kakerlake eckte immer wieder auf dem am Boden ausliegenden Material an und lief im Kreis. Um das Geben und Nehmen zu verdeutlichen, das Teilen und Teilhaben, konnten die Teilnehmerinnen anschließend auf Kärtchen schreiben, was sie selbst im Zentrum oft im Kreis laufen lässt und wo sie anecken. Danach waren alle als Alltagsexpertinnen aufgerufen, ganz intuitiv Hilfestellungen und Impulse auf die ausliegenden Probleme auf weitere Kärtchen zu schreiben und dazu zu legen.

Mit diesen einfachen Mitteln und kleinen Experimenten wird das Thema Teilhabe erlebbar und die Frauen nahmen viele Anregungen mit in ihre eigenen Zentren.

zurück

Workshop zur Armutssensibilisierung

Bei einem Workshop am 17. Oktober in Rheinfelden erlebten die Teilnehmerinnen mit phantasievollen Methoden, in wie vielen unterschiedlichen Formaten und Aktivitäten sich das Beschäftigen mit dem Thema Armut ausdrücken kann. (Fotos: Leony Stabla)

ansehen