Den Blick weiten – Was wir von unseren Freundinnen im Donauraum lernen

Juli 2026 - Was können wir heute von Frauen in Ungarn, der Ukraine, der Slowakei oder Bosnien & Herzegowina lernen? Mehr, als wir vielleicht auf den ersten Blick denken (ein Bericht von Andrea Laux - Vorsitzende MINE e.V.).

Eine der wichtigsten Erfahrungen unserer internationalen Arbeit ist, dass wir uns nicht begegnen, um fertige Antworten weiterzugeben. Wir begegnen uns, um voneinander und miteinander zu lernen. Jede Frau bringt Erfahrungen mit, die für die anderen wertvoll sind. Genau darin liegt seit fast vierzig Jahren die Stärke der internationalen Mütterzentrumsbewegung.

Ein besonderer Ausdruck dieses gemeinsamen Lernens war unsere GWIA - Grassroots Women's International Academy in Sarajevo 2025 zum Thema Peace & Ecology. Frauen aus verschiedenen Ländern des Donauraums kamen zusammen, um ihre Erfahrungen miteinander zu teilen – als Partnerinnen auf Augenhöhe.

Dort erzählte Anastasiia aus Kyjiw von ihrem Alltag. Sie gehört zu den Future Voices von MINE und ist die Tochter von Oleksandra, einer der Initiatorinnen der neuen Mütterzentrumsinitiative in Kyjiw. Ihre Geschichte über das Leben im 16. Stock während der Stromausfälle hat mich tief bewegt und zeigt, was Resilienz im Alltag bedeutet.
Im Juni dieses Jahres durfte ich in Chmelnyzkyj im Rahmen einer Mental-Health-Tagung einen Workshop mit unserem Reflexions- und Dialoginstrument »Ich bin Clara« gestalten. Viele der Frauen waren innerhalb der Ukraine vertrieben worden. Dennoch ging es vor allem um Zukunft, Verantwortung und den Aufbau neuer Gemeinschaften. Genau das verstehen wir unter Caring Community Development.

In den vergangenen Jahren ist zwischen den Frauen in der Ukraine und unserem internationalen Netzwerk MINE – Mother Centers International Network for Empowerment – eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gewachsen. Wir lernen voneinander. Die Erfahrungen aus Ungarn, der Ukraine, Bayern und Baden-Württemberg bereichern sich gegenseitig.
Ein besonderes Beispiel dafür ist unser Dialoginstrument »Ich bin Clara«. Gemeinsam mit unseren ukrainischen Partnerinnen wurde es sorgfältig ins Ukrainische übertragen. Dieser Übersetzungsprozess war selbst ein Beispiel für gemeinsames Lernen und gegenseitiges Verstehen.

Ich freue mich sehr, dass das ukrainische Mütterzentrumsnetzwerk MIRA nun den nächsten Schritt gehen kann. Die Frauen bauen Mütterzentren als Caring Communities auf – Orte der Begegnung, der Selbstorganisation und der gegenseitigen Unterstützung.

Aus den Begegnungen mit Anastasiia entstand auch unsere Little-Sun-Aktion. Eine kleine Solarlampe beendet keinen Krieg. Aber sie schenkt Licht, wenn der Strom ausfällt. Manchmal kann ein kleines Licht einen großen Unterschied machen.

Diese Erfahrungen fließen auch in unser Policy Paper »Transition into a Caring Europe« ein. Darin beschreiben wir Caring Communities als Grundlage für ein demokratisches und resilientes Europa – getragen von Vertrauen, gemeinsamem Lernen und geteilter Verantwortung. Die Erfahrungen aus Bayern und Baden-Württemberg sind dabei ebenso wichtig wie jene aus Ungarn, der Ukraine und den anderen Ländern unseres Netzwerks.
Mehr über das internationale Projekt »Mothers for Peace & Ecology«, unser Policy Paper »Transition into a Caring Europe« sowie weitere Beispiele für Caring Community Development findet ihr hier.

Wenn ich auf unsere Begegnungen in Ungarn, der Ukraine, der Slowakei, Bosnien & Herzegowina oder hier in Bayern und Baden-Württemberg zurückblicke, dann nehme ich vor allem eines mit: Europa wächst nicht zuerst durch Institutionen, sondern durch Beziehungen. Vielleicht beginnt Europa genau dort – wenn wir den Blick weiten, einander zuhören und erkennen, dass wir alle Lernende sind.

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Den Blick weiten – Was wir von unseren Freundinnen im Donauraum lernen

Was können wir heute von Frauen in Ungarn, der Ukraine, der Slowakei oder Bosnien & Herzegowina lernen? Mehr, als wir vielleicht auf den ersten Blick denken.

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