Ein Fest der Solidarität

Juni 2026 – Mit einem Festakt im Spitalhof feierte das Mütter- und Nachbarschaftszentrum Reutlingen (Müze) sein 40-jähriges Bestehen. In ihren Grußworten betonten die geladenen Gäste die herausragende Rolle des Müze als Ort der Begegnung, Unterstützung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Musikern der Philharmonie Reutlingen und Eltern der Kita, die sich kurzerhand zu den "KlangKlecksen" formiert hatten, um an dem besonderen Anlass mit einem kurzweiligen und schwungvollen Programm von Klassik bis hin zum ABBA-Hit „Mamma Mia" für gute Stimmung zu sorgen. Mitten in der Hitzewelle war es auch im Spitalhof schwülwarm und die Fächer wippten im Takt der Musik.

Christine Besenfelder, Leiterin des Kreisjugendamts Reutlingen, hob in ihrer Ansprache die Bedeutung verlässlicher Beziehungen und langjähriger Vorstände als Erfolgsfaktor des Zentrums hervor. Sie betonte: „Prävention gegen Kinderarmut ist eine unserer zentralen Aufgaben. Das Müze leistet hier seit Jahrzehnten wertvolle Arbeit." Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Atmosphäre im Zentrum, das sie erst vor wenigen Wochen zum ersten Mal besucht hatte.

Joachim Haas, Leiter des Sozialamts der Stadt Reutlingen, zitierte in seinem Grußwort Heiner Geißler: „Solidarität ist keine Gefühlsduselei, sondern Pflicht." Dies bringe auf den Punkt, was im Müze tagtäglich gelebt werde. Haas unterstrich: „Das Müze setzt dort an, wo viele nicht hinschauen wollen. Es schafft Perspektiven und ist ein Chancenschenker. Solidarität wird hier praktisch gelebt. Wir können Armut nicht abschaffen, aber wir können bessere Chancen und Perspektiven schaffen – und das Müze zeigt der Stadtverwaltung, wie das geht."

Die Menschen hinter dem Erfolg
Die Vorstandsmitglieder des Mütterforums – Gudrun Stegitz, Christiane Schomburg und Katja Müller – würdigten in ihrer gemeinsamen Rede die Menschen hinter der Erfolgsgeschichte des Müze. Gudrun Stegitz betonte: „Seit vier Jahrzehnten ist dieses Haus ein Ort der Begegnung, der Unterstützung und des Miteinanders. Hier werden Familien begleitet, Freundschaften geknüpft, Herausforderungen gemeinsam getragen und neue Perspektiven eröffnet. Das Müze steht für gelebte Solidarität, Offenheit und Zusammenhalt. Vielfalt wird hier nicht nur toleriert – sie wird als Bereicherung verstanden und jeden Tag gelebt."

Christiane Schomburg hob besonders das Engagement von Bettina Noack hervor: „Bettina, du setzt dich ganz besonders für Familien ein, die keine Lobby haben, die von Armut betroffen sind oder alleinerziehend." Katja Müller unterstrich die Bedeutung der Vernetzung: „Besonders wertvoll ist die gelebte Vernetzung mit den vielen Akteuren in unserem Umfeld. Familien brauchen verlässliche Anlaufstellen, die entlasten, stärken und verbinden. Die Menschen hier im Müze erfüllen diese Aufgabe seit 40 Jahren mit großer Leidenschaft und Überzeugung."
Gundula Neuscheler und Carola Reinmuth vom Arbeitskreis der Kleinkindergruppen Reutlingen e.V. als Vertreterinnen der Kita-Träger betonten in ihrem Grußwort die Bedeutung der Zusammenarbeit und des Engagements für Familien in Reutlingen.

Politische Appelle
Die Vorsitzende Bettina Noack, die seit 1989 im Müze aktiv ist, nutzte ihre Rede für Appelle an die Politik. Sie forderte mehr Wertschätzung für die Leistungen von Familien: „Es wird zu wenig gesehen und geschätzt, was Familien in unterschiedlichen Lebensformen bewältigen und leisten, damit sie ihre Alltagsarbeit in unterschiedlichen Arbeitssituationen, Krippe, Kita und Schule und eventuellem Engagement im Verein, in der Kita oder Schule oder anderswo hinbekommen." Zudem warnte sie: „Klamme Haushalte sollten nicht dazu führen, dass bei Kindern und Jugendlichen Einsparungen vorgenommen werden. Glück haben einzelne Kinder, die zusätzlich zur Familie auf Menschen treffen, die an sie glauben, sie in ihren Fähigkeiten begleiten und auch die Umwege mit ihnen mitfahren."

Die Moderation des Festakts übernahm Carina Lottholz, die auch einen Rückblick auf die vergangenen 40 Jahre gab und das Team vorstellte. Der Verein zählt aktuell 70 Mitglieder. In ihrer Ansprache betonte sie: „Willst du einen Job erledigt haben, dann frag Mütter oder Frauen" und hob den „Can-Do-Spirit" hervor, der das Müze auszeichne.

Das Mütter- und Nachbarschaftszentrum Reutlingen startete 1986 als Modellprojekt „Nachbarschaftszentrum" unter der Regie der damaligen Bundesfamilienministerin Rita Süßmuth. Seitdem hat es sich zu einem unverzichtbaren Ort der Begegnung, Unterstützung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts entwickelt.

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