Beheimatungsorte in der Lernkultur

Die Offenen Treffs sind das Kernstück der Mütter- und Familienzentren und Mehrgenerationenhäuser. Sie sind „öffentliche Wohnzimmer" und sollen einen Beitrag leisten gegen Vereinzelung und Vereinsamung, für bedingungslose Zugänge zur Familienbildung, zur Förderung von Selbstwirksamkeit von Eltern, indem sich Eltern als Expert_innen wahrnehmen und zur Unterstützung informellen Lernens. Mütter- und Familienzentren erreichen Familien, die von formellen Familienbildungsangeboten nicht erreicht werden.

Derzeit sind die Offenen Treffs, obwohl sie als „Kernstück" der Mütterzentren bezeichnet werden, sehr unterschiedlich ausgestaltet. Die einzelnen Mütter- und Familienzentren können nicht immer die oben genannten Punkte ermöglichen. Dies ist stark von der Rolle und der Person der Gastgeber_innen abhängig.

Im Verständnis der Mütterzentrumsbewegung ist für die Leitung eines Offenen Treffs keine pädagogische Ausbildung nötig, die Gastgeber_innen verstehen sich als Alltagsexperten. Allerdings stoßen diese auch immer wieder an ihre Grenzen und Wissen über die Ermöglichung von Teilhabe, informellen Wissen und Selbstwirksamkeit fehlt.

Deshalb wollen wir mit dem Projekt „Beheimatungsorte in der Lernkultur" – gefördert von der Glücksspirale – ein Schulungskonzept zur Wissensvermittlung an die Gastgeber_innen entwickeln.

Laufzeit: Juli 2018 bis Juni 2020 in zwei Projektphasen

Bisherige Aktivitäten und Veranstaltungen:

  • Erhebung des theoretischen Forschungsstands
  • Gespräche, Vorträge und Workshops mit Expert_innen

Die Projektgruppe hat mehrere Gespräche mit Erich Stutzer, dem ehemaligen Leiter der
Familienwissenschaftlichen Forschungsstelle Baden-Württemberg, geführt. Er hat zudem im Rahmen der Klausurtagung „Der offene Treff als Herzstück der Mütterzentren" am 13.4.2019 in Bad Urach einen Vortrag gehalten.

Außerdem fand ein ganztägiger Workshop „Beheimatungsorte in der Lernkultur: Offener Treff und Entwicklung von Dimensionen zur Sichtbarmachung des Offenen Treffs" mit Prof. Sigrid Tschöpe-Scheffler am 19.3.2019 in Köln statt.

Das Grundkonzept wurde bei einem Workshop mit mehreren Mitgliedszentren beim Netzwerktreffen in Freiburg- Hochdorf am 29.6.2019 sowie exemplarisch an einem Zentrum im MüZe Süd Familienzentrum Stuttgart auf seine Praxistauglichkeit überprüft.

  • Erarbeitung einer theoretischen Grundlage

Auf Grundlage der theoretischen Erhebungen sowie der Gespräche mit Expert_innen wurden als theoretische Grundlage des offenen Treffs des Mütterforums Baden-Württemberg zwei Konzepte festgelegt, die die Grundhaltung des offenen Treffs demonstrieren sollen und die in das Schulungskonzept einfließen:
- Die 4 Säulen der Mütterzentrumsbewegung
- Das Konzept des Empowerments (nach Herriger)

  • Erarbeitung von Kriterien des offenen Treffs

Auf Grundlage der drei oben genannten Schritte wurden im Projektteam anschließend Kriterien (Indikatoren) erarbeitet, die den offenen Treff der Mütter- und Familienzentren charakterisieren. Diese 9 Kriterien wurden im Laufe der ersten Projektphase mehrfach überarbeitet und kritisch reflektiert sowie auf ihre Praxistauglichkeit überprüft.
Diese 9 Punkte sollen zukünftig als Indikatoren betrachtet werden, anhand derer eine Analyse der einzelnen offenen Treffs in den 50 Mütter- und Familienzentren innerhalb des Landesverbandes stattfinden kann.

  • Entwicklung eines Schulungskonzeptes

Das Schulungskonzept bezüglich des offenen Treffs wird zwei Bausteine beinhalten: Eine Grundlagenschulung zur Analyse und ggf. Selbsthilfe durch das jeweilige Zentrum und als zweiten Baustein bei Bedarf Unterstützung durch Schulungen durch den Dachverband.

Projektgruppe:
Anne-Katrin Schührer, Christiane Zenner-Siegmann, Andrea Laux und Jasmin Horber (Geschäftsstelle)